Nach der Kettensäge kommt die Schraube

Andreas Patzak
Künstler

Wenn Leute an Kettensägenkunst denken, sehen sie Späne fliegen. Was sie nicht sehen:
Den Sockel, auf dem die Eule später steht. Die Bank, die aus zwei Bohlen und einer
Handvoll Schrauben zusammenkommt. Die Skulptur, die im Garten des Kunden verankert
werden muss, damit sie den ersten Herbststurm übersteht.

Für den ersten Teil meiner Arbeit brauche ich eine Motorsäge – womit ich da anfange,
steht in meinen Carving Tipps für Anfänger. Für den zweiten Teil brauche ich etwas
völlig anderes. Und ausgerechnet dabei ist mir aufgefallen, worauf es mir inzwischen
am meisten ankommt: dass das Werkzeug leise ist.
 

Warum Lautstärke für mich kein Komfortthema ist
 

Ich arbeite den halben Tag mit Motorsäge und Winkelschleifer. Gehörschutz ist
selbstverständlich, aber am Abend ist trotzdem Schluss – das Gehör ist bei diesem
Beruf Betriebskapital, und es wächst nicht nach.

Wenn ich dann in der Werkstatt noch einen Sockel zusammenschraube, will ich nicht
noch eine Lärmquelle. Und wenn ich eine Skulptur beim Kunden aufstelle, stehe ich
meistens in einem Wohngebiet, oft samstags. Ein klassischer Schlagschrauber rattert
dort über drei Grundstücke. Das ist nicht nur unangenehm – es ist schlechte Werbung
in genau der Nachbarschaft, in der mein nächster Auftrag entstehen könnte.

 

Das Werkzeug: DeWalt DCF870NT-XJ
 

Es ist ein 18V-Akku-Schlagschrauber, aber mit einem entscheidenden Unterschied im
Inneren. Ein normaler Schlagschrauber lässt einen Hammer gegen einen Amboss schlagen –
Metall auf Metall, tausende Male pro Minute. Daher das Rattern.

Beim DCF870 sitzt zwischen beiden ein Ölpolster, das den Schlag dämpft. Übrig bleibt
ein dumpfes Brummen statt eines scharfen Ratterns. Der Schalldruckpegel liegt bei
76,2 dB(A), laut DeWalt sind das 44 % weniger als beim Schwestermodell DCF850 bei
gleicher Drehzahl.

In der Praxis heißt das: Ich kann beim Schrauben ein normales Gespräch führen.
Wer schon einmal einem Kunden etwas erklärt hat, während er nebenbei eine Bank
zusammensetzt, weiß, was das wert ist.
 

Techische Daten

| Drehmoment | 56 Nm |
| Lautstärke | 76,2 dB(A) |



 

| Drehzahl | 0–1.100 / 0–3.000 min¹, 2 Stufen |
| Schlagzahl | bis ca. 4.000 /min |

| Kopflänge | 101 mm |
| Gewicht | ca. 1 kg ohne Akku |
| Arbeitslicht | 9 LEDs, 82 Lumen |

Wofür ich ihn tatsächlich benutze
 

Sockel und Standkonstruktionen
 

Fast jede stehende Figur bekommt einen Unterbau – eine Platte, Querhölzer, manchmal
ein Pfostenträger. Das sind Verschraubungen, bei denen es auf Gefühl ankommt: Die
Schraube soll bündig sitzen, nicht durchs Holz reißen. Auf der niedrigen Drehzahlstufe
setze ich an, dosiere und stoppe genau da, wo ich will. Mit einem Bohrschrauber ohne
Schlag dreht man bei langen Schrauben irgendwann nur noch mit Gewalt weiter.
 

Bänke und Sitzgruppen

 

Bei den rustikalen Holzbänken kommen unter der Sitzfläche Verschraubungen zusammen,
an die man kaum herankommt. Das Gerät ist mit 101 mm ungewöhnlich kurz – etwa eine
Handbreit. Damit komme ich zwischen Beine und Zargen, wo eine normale Maschine
schlicht nicht hinpasst. Die neun LEDs rund um die Aufnahme leuchten dabei genau
dorthin, wo der Bit sitzt, ohne Schatten zu werfen.
 

Montage beim Kunden
 

Bei Auftragsarbeiten stelle ich die Skulptur vor Ort auf und verankere sie. Das ist
der Moment, in dem der leise Antrieb den Unterschied macht: Ich arbeite im Garten,
die Nachbarn sitzen auf der Terrasse, und statt dass alle zusammenzucken, bleibt es
bei einem Brummen. Dazu kommt: Mit rund einem Kilo ohne Akku hängt mir das Gerät
den ganzen Vormittag am Gürtelhaken, ohne dass es stört.
 

Marktstand auf- und abbauen

Wer im Erzgebirge auf Märkten steht, baut morgens um sechs auf. Neben Ständen, in
denen andere gerade ihre Ware einräumen. Ein ratternder Schlagschrauber macht einen
dort nicht beliebt. Diese Maschine schon.

 

Wo er an die Grenze kommt
 

56 Nm sind für einen Schlagschrauber wenig. Das klassische Schwestermodell DCF850
liefert 205 Nm. Das merkst du genau dort, wo ich viel arbeite: bei langen
Tellerkopfschrauben in massiver Eiche, bei dicken Bohlen, bei allem, wo richtig
Material im Weg ist. Da kämpft die Maschine, und manchmal muss ich vorbohren, wo
ich es mit dem stärkeren Gerät nicht müsste.

Der Grund ist bauartbedingt: Ein Ölpolster überträgt weniger Spitzenkraft als
harter Stahl. Das ist kein Fehler, das ist der Handel, den man eingeht. Leise
gegen Kraft.

Fairerweise noch ein Punkt: DeWalt bewirbt die Lautstärke, nicht die Vibration.
Der deklarierte Vibrationswert liegt bei 19,5 m/s². Der Schlag fühlt sich weicher
an, aber ein vibrationsarmes Werkzeug im Sinne des Arbeitsschutzes ist es nicht.
Wer stundenlang schraubt, macht trotzdem Pausen.

Für wen sich das lohnt

Wenn du wie ich vor allem mittlere Verschraubungen machst – Sockel, Bänke, Montage,
Standbau – und dabei oft in Umgebungen arbeitest, in denen Lärm ein Thema ist, dann
ist das Gerät eine der sinnvollsten Anschaffungen der letzten Jahre. Ich benutze es
öfter als alles andere in der Werkstatt, schlicht weil es weniger nervt.

Wenn du dagegen dauernd schwere Bauschrauben in Hartholz treibst, nimm das stärkere
Modell. Und wenn du Radmuttern lösen willst: falsche Klasse, dafür brauchst du einen
halbzölligen Schlagschrauber.

Angaben nach Herstellerangaben, Stand August 2026. Preise und Verfügbarkeit können
sich jederzeit ändern. Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links. Als Amazon-Partner
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